Markus Hofmann - Blog

Der Hauch von Damals

Ob Mamas Waschmittel, der Duft von Flieder vom ersten Frühlingserwachen oder das Aroma des Lieblingsdesserts: Gerüche lösen oft eine ganze Flut von Erinnerungen in uns aus. Offenbar werden die Gedächtnisspuren zusammen mit der jeweiligen Duftmarke im Gehirn abgespeichert. Steigt uns der Hauch von damals später erneut in die Nase, sind die damit verknüpften Erlebnisse prompt wieder präsent.

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Wen im Schlaf der gleiche Duft umweht wie beim Pauken, der behält das Gelernte besser.

Ob Mamas Waschmittel, der Duft von Flieder vom ersten Frühlingserwachen oder das Aroma des Lieblingsdesserts: Gerüche lösen oft eine ganze Flut von Erinnerungen in uns aus. Offenbar werden die Gedächtnisspuren zusammen mit der jeweiligen Duftmarke im Gehirn abgespeichert. Steigt uns der Hauch von damals später erneut in die Nase, sind die damit verknüpften Erlebnisse prompt wieder präsent.

Forscher der Universitäten Hamburg und Lübeck fanden nun in einem Experiment heraus, dass die per Nasenkitzel ausgelöste Aktivierung von Gelerntem sogar das Behalten fördert - sofern der Duft beim Pauken auch den Schlaf versüßt!

In ihrem Versuch ließen Björn Rasch und Kollegen Testpersonen bei einer Art Memoryspiel am Computer Anordnung von Kartenpaaren lernen und fächelten unterdessen Rosenduft um die Nase. Anschließend ging es zur Nachtruhe ins Schlaflabor.

Einen Teil der Probanden umwehte während der Tiefschlafphase dann erneut der Geruch der königlichen Blume - freilich ohne, dass sich irgendein Schläfer dessen bewusst geworden wäre. Dennoch zeigte sich am nächsten Morgen, dass sich genau diese Versuchsteilnehmer besser an die Positionen der Karten erinnern konnten als jene, die die Nacht ohne Rosenduft verbracht hatten.

Duft © Fotolia 2016/ rodrusoleg

Der gedächtnisfördernde Effekt stellte sich aber nicht bei jedem Lerninhalt ein: Wer etwa vor dem Schlafengehen gelernt hatte, mit den Fingern eine bestimmte Tastenfolge zu tippen, profitierte nicht vom Rosenduft. Solches »prozedurale« Wissen wird anders im Gehirn gespeichert als räumliche oder semantische Informationen. Nur diese beanspruchen vornehmlich den Hippocampus, welcher geruchssensibel reagiert.

Der Grund: jene Hirnareale, die unsere olfaktorische Wahrnehmung steuern, stehen in direkter Verbindung mit dem Hippocampus. Und tatsächlich konnten die Wissenschaftler mittels funktioneller Magnetresonanztomografie nachweisen, dass dieses Areal am unteren Rand der Großhirnrinde immer dann besonders aktiv wurde, sobald der Rosenduft ausströmte.

Die duftende Merkhilfe blieb auch dann wirkungslos, wenn es nur im Schlaf, nicht aber während des Lernens nach Rosen roch oder wenn der Duft in der (traumreichen) REM-Phase präsentiert wurde. Um neues Wissen besonders effektiv ins Langzeitgedächtnis zu verfrachten, muss es also offenbar im Tiefschlaf erneut aktiviert werden. Was wiederum mit etwas Geruchsnachhilfe prima funktioniert.