Markus Hofmann - Blog

Ritalin für die Massen - Gleichschaltung im Sinne der Pharmaindustrie statt Bildung

In den letzten Jahren ist vermehrt eine Diskussion über ADHS bzw. ADS entbrannt. Einer großen Zahl an skeptischer Literatur steht die ungeheure Zahl an verschriebenen Medikamenten gegenüber. Durch meine Arbeit an Schulen mit Kindern unterschiedlichster Persönlichkeiten, darunter auch viele, denen eine ADHS Diagnose gestellt wurde, bin auch ich stärker mit dem Thema in Berührung gekommen und konnte mir eine eigene Meinung bilden.

ADHS Hyperaktivität Ritalin

Und was ich nach viel positiver Arbeit mit diesen Kindern kurz zusammengefasst sagen kann ist:  bis auf mögliche wenige Ausnahmen ist ADHS ein Mythos, der Kinder zu Cashcows der Pharmaindustrie macht und in ein System zwingt, das sie von Anfang an darin hindert, individuell und gehirngerecht zu lernen.

Ich möchte Ihnen hier von meinen Erfahrungen berichten, sowie einige Zahlen und Fakten zusammenfassen.

ADHS ist mittlerweile zu einem milliardenschweren Business geworden. Allein das Nürnberger Pharmaunternehmen Novartis, das Ritalin herstellt, machte damit 2010 weltweit einen Umsatz von 464 Millionen Dollar. Sechs Konzerne bieten das Medikament mit dem Wirkstoff Methylphenidat unter verschiedenen Namen auf dem deutschen Markt an. In den letzten zwanzig Jahren ist der Verbrauch in unserem Land von 34kg auf 1,8 Tonnen gestiegen. In den USA nehmen mittlerweile 10% der zehnjährigen Jungen ADHS Medikamente. Alleine diese Entwicklung sollte einen doch schon aufhorchen lassen und den Aufruf nach sich ziehen, um einiges bedächtiger bei der Verschreibung von Psychopharmaka an unsere Kinder umzugehen.

Hyperaktivität und ADHS © Fotolia 2015 / djama

Späte Einsicht des Erfinders

Was ist passiert, dass eine solche große Zahl an Kindern offenbar nicht mehr ohne Medikamente durch den Alltag kommt. Statistisch gesehen kommt auf jede Grundschulklasse mindestens ein Kind mit ADHS Diagnose. Manche Lehrer berichten gar von bis zu acht Kindern. Wollen wir uns wirklich einreden lassen, dass unsere Kinder vermehrt mit einer Störung geboren werden. Sollten wir nicht viel mehr hinterfragen, was wir in unserer Welt anders machen können, um die sich ausbreitenden Symptome wieder zu reduzieren.

Selbst Leon Eisenberg, ein US-Nervenarzt, der als Vater der ADHS Medizin gesehen wird, sagte kurz vor seinem Tod 2009: „ADHS ist ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung“. 1967 setzte er gegen viel Widerstand durch, dass ADHS, die angeblich Hirnstörung als eigenständige Krankheit in den weltweiten WHO-Katalog der psychiatrischen Leiden aufgenommen wurde und so über Jahrzehnte lebhafte und unbequeme Kinder mit Hilfe von Ritalin gefügig gemacht wurden.

Doch auch dieses Eingeständnis des ADHS Pioniers hat die Befürworter nicht wirklich leiser werden lassen. Von der Pharmaindustrie ist natürlich nichts anders zu erwarten, aber Ärzte, Lehrer und Eltern scheinen einer ADHS Diagnose weiterhin sehr aufgeschlossen zu sein, denn nur zwischen 2006 und 2011 hat sich die Diagnoserate in Deutschland fast verdoppelt und Gesundheitsbehörden stellen plakativ und unreflektiert fest: „ADHS ist bestimmt keine Erfindung.“ Auf dem ADHS Infoportal, von dem dieses Zitat stammt und das – gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit – räumt man mit allerhand Fehlurteilen rund um ADHS auf. Der Versuch ist leicht erkennbar, das Vertrauen vor allem der Eltern, Lehrer und wohl auch der Jugendlichen und Kinder für die Kompetenz der professionellen Untersucher und Behandler wiedergewinnen zu wollen. Das Portal richtet die Aufmerksamkeit unter dem Stichwort „Kritisch: Fakten und Mythen“ auf die Erfolge der medikamentösen Behandlung. Lediglich „bei fünfzehn bis zwanzig Prozent“ der Patienten versage die Pillentherapie und auch die Nebenwirkungen werden als geringfügig abgetan. Man scheint also keine Notwendigkeit zu sehen, die ungeheure Medikamentenmenge zu reduzieren.

 

Die Pharmaindustrie freut sich über neue "Krankheitswelle" durch ADHS

Ich betrachte dies mit Sorge, denn im Mutterland der ADHS Diagnostik, den USA, greift bereits die nächste psychische Kinderkrankheit um sich. Die bipolare Störung oder manisch-depressive Erkrankung war noch bis in die neunziger Jahre hinein bei Kindern so gut wie unbekannt; inzwischen gehört sie in den USA zu den häufigsten Diagnosen in der Kinderpsychiatrie. Die Zahl der Arztbesuche wegen dieser Störung hat sich in knapp zehn Jahren um das 40fache erhöht; viele der Patienten sind gerade erst zwei, drei Jahre alt. Die Pharmaindustrie lacht und hat Deutschland als attraktiven Markt sicher schon längst im Blick. Hier ist sicherlich ebenfalls Vorsicht geboten.

Aber bleiben wir beim aktuellen Problem ADHS.

Woran kann es liegen, dass ADHS so inflationär diagnostiziert wird. Sind die Anforderungen an unsere Kinder so stark gestiegen, hat sich die Toleranz gegenüber vielen „Symptomen“ enorm reduziert oder ist in unsere Gesellschaft das Bedürfnis nach Normierung und Leistung vielleicht zu sehr in den Mittelpunkt gerückt. Vermutlich von allem etwas. Doch haben alle etwas gemein. Wir wollen unsere Kinder an etwas anpassen, das ihnen offensichtlich auf breiter Basis Probleme bereitet. Sollten wir dann nicht versuchen an den Rahmenbedingungen etwas zu ändern, anstatt die von Beginn an mit Drogen auf Leistung zu trimmen.

 

Neue Ansätze bei der Diagnose ADHS wagen

ADHS als Diagnose ist bequem. Es nimmt alle aus der Verantwortung. Für eine angeborene Störung kann niemand etwas. Der Zappelphillipp, der wilde Junge, sowas scheint es heute nicht mehr geben zu dürfen. Die Devise heißt nur nicht aus dem Rahmen fallen. Ich höre bei meine Besuchen in Schulen oft: „Mein Kind kann nicht lernen, es hat ADHS“! Jetzt noch schnell das Ritalin verschrieben und schon ist das Kind aufmerksam. Und jeden Tag unter Drogen! Es gibt sicher vereinzelt schwere Problemfälle, aber finden Sie das normal und richtig, das Verhalten und die Leistung des Kindes durch Chemie ohne jegliche Eigenleistung zu beeinflussen?

Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es vor allem beim schulischen Lernen andere Möglichkeiten gibt, mit denen sie Kindern erstaunliche Fortschritte machen können.

Mit der von mir sehr häufig verwendeten Mnemotechnik konnte ich zum Beispiel sehr gut zum Lernmotivationsknopf, den jeder von uns in sich trägt und nur gefunden werden muss, vordringen. Ich spreche dadurch die emotionalen statt rationalen Bereiche an. Mit Bildern wird den Kindern das zu Lernende zugänglich gemacht. Zu Geschichten verknüpfte Bilder schaffen Neugierde und manifestieren Erlerntes im Langzeitgedächtnis. Diese spannende Lernmethode verknüpft mit anschließendem Erfolgserlebnis, führte bei ADHS Kindern zu erstaunlichen Ergebnissen, die deren Eltern in Staunen versetzten. Die Methode dem Gehirn anpassen und nicht das Gehirn der Methode ist meine Prämisse. Ein regelmäßiger Medikamenteneinsatz bei Kindern sollte jedenfalls nur die letzte Option in Ausnahmefällen sein.

Dass ich mit meiner persönlichen Einschätzung nicht allzu falsch liegen kann, zeigt sich auch an den Aussagen diverser Fachexperten und Studien.

 

Zweifel auch auf Seiten der Ärzte

Ulrike Lehmkuhl, Direktorin der Kinderklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité, bestätigt die Inflation von ADHS-Diagnosen und bezweifelt die Ausbreitung: „Das ist schließlich kein Virus“, sagt Lehmkuhl. Von zehn Kindern, die mit einer ADHS-Diagnose zu ihr geschickt werden, stellt sie bei neun eine andere Verhaltensstörung oder psychische Erkrankung fest. Kurz gesagt: 90 Prozent der ADHS-Diagnosen sind falsch. Drei Kriterien müssten für eine richtige ADHS-Diagnose zusammenkommen, sagt Lehmkuhl: Impulsivität, Hyperaktivität und ein Aufmerksamkeitsdefizit. „Und das schon seit dem frühen Kindesalter: ADHS, das in der siebten Klasse plötzlich auftritt, gibt es nicht!“ Außerdem warnt sie grundsätzlich vor Ritalin.

Es wirkt hoher Dosierung ähnlich wie Kokain und macht psychisch abhängig. Methylphenidat gilt nicht als Rauschmittel, unterliegt aber dem Betäubungsmittelgesetz, weil es als leistungssteigernde Droge missbraucht werden kann. Wird die Tablette vergessen, besteht die Gefahr plötzlich dem Unterricht gar nicht mehr folgen zu können. Manche können ohne Medikament den Stress nicht mehr ertragen. Sie ziehen sich zurück, isolieren sich von ihrer Umwelt. Die Langzeitwirkungen auf das Gehirn sind nicht genau erforscht, über die Hauptnebenwirkungen Appetit-und Schlaflosigkeit sowie ein vermindertes Wachstum wird großzügig hinweg gesehen.

Auch Untersuchungen, die belegen, dass den jüngsten Kindergarten-Kindern eines Jahrgangs im Schnitt 60 Prozent häufiger ADHS diagnostiziert wird als bei den Gruppenältesten, gelten eher als Randnotiz, obwohl bei Schulkindern der Anteil sogar bereits bis zu doppelt so hoch ist.

 

Mehr individuelle Beachtung schenken

Kann es wirklich sein, dass biologische Entwicklungsabstände zugunsten bloßer Leistungsorientierung einfach ignoriert werden? Vieles deutet darauf hin, dass dies leider tatsächlich passiert.

Die Psychologen scheinen den verzweifelten Eltern, die sich um die Zukunft ihrer Kinder in der Leistungsgesellschaft sorgen, entgegenzukommen. Eine individuellere Betreuung, vielleicht doch noch ein Jahr mit der Einschulung warten, sind Empfehlungen, die schnell wie ein Stigma wirken und keiner hören möchte.

Ich bin kein Lehrer und kein Psychologe, aber durch die Erfahrung als begeisterter Vater und meine Auftritte als Gedächtnistrainer in Schulen habe ich viele unterschiedliche, doch stets lernwillige und begeisterungsfähige Kinder erleben dürfen und ich plädiere dafür, dass man ihnen besonders in jungen Jahren stärkere individuelle Beachtung schenkt, denn jedes Kind, jedes Gehirn ist einzigartig und womöglich beschert eben diese frühe individuelle Beachtung, die wir unserem Kindern schenken ihnen später den Erfolg, den wir uns für sie wünschen.

 

Folgender Lösungsansatz ist interessant:

 

NEUROFEEDBACK

 

Definition

Neurofeedback ist eine computergestützte Trainingsmethode, bei der dem Patienten ausgewählte Parameter der eigenen Gehirnaktivität, über die man für gewöhnlich keine Wahrnehmung hat, wahrnehmbar gemacht werden. Dafür bekommt das Gehirn über Monitor und Lautsprecher gespiegelt, was es gerade tut (Feedback).

Durch diese Rückmeldung lernen die Patienten ihre Gehirnaktivität selbst besser zu regulieren. Viele Krankheiten, Störungen oder ungewollte Verhaltensmuster sind auf Fehlregulierung der
Gehirnaktivität zurückzuführen. Mit Neurofeedback können Patienten lernen, diese Fehlregulationen besser auszugleichen und zu mehr Funktionsfähigkeit zu finden.

 

...Feedback

Menschen können fast alles erlernen. Voraussetzung ist aber, dass eine Rückkopplung (= Feedback) zwischen dem Gewollten und dem Erreichten besteht. Wir könnten nicht Fahrrad fahren  lernen, wenn wir eine Schräglage nicht spüren könnten.

Die meisten Funktionen in unserem Körper und Geist hingegen können wir nicht direkt wahrnehmen und auch nicht bewusst beeinflussen, sie werden praktisch automatisch gesteuert. Wenn nun eine solche Funktion nicht mehr richtig mag oder gar ganz ausfällt, gibt es kaum eine Möglichkeit, diese zu trainieren, weil ja kein direkter Einfluss vorhanden ist. Hier kommt "Bio-Feedback" zur Anwendung.

 

Neuro...

Das gleiche gilt für unser Gehirn und heißt dort Neurofeedback. Wir können praktisch keine der vielen Funktionen wirklich direkt spüren oder beeinflussen.

 

 

Wozu ist eine Neurofeedback-Behandlung gut?

 

Eine Neurofeedback-Behandlung kann bei einer Vielzahl von Störungen hilfreich sein. Dazu gehören unter den wichtigsten die Aufmerksamkeitsstörungen (ADS/ADHS).

Speziell bei Kindern kann Neurofeedback auch günstig wirken auf verschiedene schlafbezogene Störungen wie Albträume, Bettnässen, Nachtschrecken, Schlaf-wandeln, Zähneknirschen.

Es wird angenommen, dass vielen Störungen eine Fehlregulierung der Gehirnfunktion zugrunde liegt. Ziel einer Neurofeedbackbehandlung ist, das Gehirn zu trainieren, seine Funktion zu verbessern. Durch mehrmalige Wiederholung dieses Neurofeedback-Trainings soll sich die Gehirnfunktion dauerhaft umstellen und Symptome der zu behandelnden Störungen können vermindert oder vollständig zum Verschwinden gebracht werden.

In wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass mit einer Neurofeedback-Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen (ADS/ADHS) vergleichbare Resultate erzielt werden können wie mit Medikation mit Methylphenidat.

In den letzten Jahren wird viel in der Anwendung von Neurofeedback im ganzen Spektrum der psychischen Störungen geforscht, teilweise mit erstaunlichen Ergebnissen.