Wettbewerbsvorteil Geist und Wissen

TRAiNiNG hat Markus Hofmann als Top-Speaker 2017 ausgewählt. Er überzeugte vor allem mit seinen humorvollen Vorträgen, die den Zuhörern sofort umsetzbare Tipps bieten.

Was haben Sie vor Ihrer Speaker- und Trainerkarriere gemacht?

Das mag jetzt trivial klingen, doch ich war bereits im Kindergarten eine Art »Rampensau«! Ich durfte die Hauptrolle in unserem Kinderstück übernehmen. Als 5-Jähriger habe ich nach der heiligen Messe von der Kanzel gepredigt. Zwar nur vor meinen Eltern und vor Oma und Opa, aber immerhin. Als Klassen- und Schülersprecher durfte ich mich dann ebenfalls exponieren. In der städtischen Laienschauspielgruppe war ich aktiv und schlussendlich wurde ich ein langweiliger Banker (lacht)! Doch zum Glück bin ich nach der Ausbildung gleich ins Marketing der Bank gewechselt. Eine meiner Aufgaben war, die Reden für den Vorstand zu schreiben. Er hat meine Texte auf Anhieb gut gefunden und 1:1 übernommen. Ein weiterer Schwerpunkt war die Organisation des jährlichen Sparkassen-Forums. Das war mein erster Kontakt in die Speaker-Szene. Ich war damals schon von den Persönlichkeiten wie Birkenbihl, Löhr, Nehberg und Co. fasziniert, die ich persönlich kennenlernen durfte. Ihre Ausstrahlung und Fähigkeit, Wissen zu transportieren, hat mich schon immer in den Bann gezogen.

Wie sind Sie dann selbst zum Speaking gekommen?

Ich habe für ein Kunden-Seminar der Sparkasse einmal Gregor Staub, einen Schweizer Gedächtnistrainer, gebucht. Bei ihm habe ich auch die Techniken kennengelernt. Als ich diese dann in meinem BWL-Studium sofort umsetzte, war mir klar: Das funktioniert tatsächlich. Meinen Notendurchschnitt konnte ich stark verbessern und dies bei erheblich weniger Lernaufwand. Die Tipps und Tricks zeigte ich meinen Studienkollegen. Und durch meine Erzählungen konnten auch sie bessere Noten schreiben. Dies ermutigte mich, mich im Bereich Gedächtnistraining selbstständig zu machen. Mit meiner selbst-organisierten »Bayerntour«, ersten Engagements für wenige Hundert Euro und schließlich einer Wette bei »Wetten, dass …« ging es in den ersten Jahren stetig bergauf und ich konnte schon früh zu 100 % vom Speaking leben.

Was fasziniert Sie an Ihrem jetzigen Beruf?

In aller erster Linie ist es nicht ein Beruf, sondern tatsächlich eine Berufung! Ich bin eins mit der Bühne, dem Publikum, der Location und dem Thema. Ich BIN das Thema. Ich LEBE die Themen Persönlichkeitswachstum, Motivation und Gehirnleistung mit jeder Phase meines Körpers. Ich brenne dafür, den Menschen, die mir in dem Moment zuhören, das Beste von mir zu geben, damit sie besser werden. Ich sehe mich als Horizonterweiterer, Impulsgeber und kann das Leben anderer Menschen positiv beeinflussen. Ich bin begeistert, wenn die Menschen nach meinem Vortrag begeistert sind! Wenn sie dieses Aha-Erlebnis spüren bei der Erkenntnis, welch unglaubliches Potenzial in ihnen selbst schlummert. Momentan beschäftige ich mich darüber hinaus intensiv mit den Themen »digitale Demenz« und »künstliche Intelligenz«.

Nach 15 Jahren, nach über 1 800 Vorträgen und Seminaren mit über 300 000 Teilnehmern habe ich die Sonnen- und die Schattenseiten des Speakerdaseins durchleben dürfen. Und immer noch liebe ich das, was ich tue!

Warum ist das Thema Gehirnleistung so wichtig?

Wie viele Telefonnummern können Sie heute noch auswendig? Und wie viele Telefonnummern kannten Sie noch vor 10 Jahren auswendig? Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass wir unser Gehirn immer weniger beanspruchen und seine Fähigkeiten immer weniger nutzen. Und das ist das Problem: Im digitalen Zeitalter droht die Vergesslichkeit. Mit den überall zugänglichen digitalen Speichern als ausgelagertem Gedächtnis müssen wir nur noch suchen und brauchen uns nichts mehr merken. Schritt für Schritt verlagern wir unser Gedächtnis nach außen. Wir nutzen Handy, Terminkalender, Laptop oder Notizzettel. Auch via Internet finden wir die Information, die wir gerade benötigen. Mehr denn je brauchen wir unser Gedächtnis für eine optimale, schnelle und nachhaltige Wissensabspeicherung, denn nur durch ein breites Basiswissen können wir Transferwissen herstellen. Diese Gedankenleistung benötigen wir, um kreative neue Lösungen zu finden. Unser Geist und unser Wissen sind der Wettbewerbsvorteil, den wir in unserer globalisierten Welt fördern und fordern müssen.

Warum sollten sich Unternehmen um das Gedächtnis ihrer Mitarbeiter kümmern?

Wissen wird heute in immer kürzerer Zeit geschaffen, gleichzeitig steigt die Verbreitungsgeschwindigkeit. Für eine bestimmte Datenmenge, die heute in einer Sekunde global übertragen werden kann, benötigte man 1997 noch 30 Tage. Einst besaßen Gelehrte wie Sokrates, Da Vinci und Newton noch einen großen Teil des menschlichen Wissens, heute versteht ein Mathematiker die Rechnungen seines Kollegen, der in einem anderen mathematischen Bereich tätig ist, nicht mehr. Der naturwissenschaftliche Lehrstoff an den Universitäten muss alle 10 Jahre neu geschrieben werden.

Wenn Unternehmen keine Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung anbieten oder keinen Nährboden für persönliche Weiterentwicklung liefern, werden sie als Arbeitgeber unattraktiv. Mitarbeiter wandern ab, die Qualität der Produkte und Dienstleistungen schwindet. Ab 2050 wird sich bereits das Wissen der Menschheit täglich verdoppeln. Ich kann dies auf einen Satz zusammenfassen, der gleichzeitig auch mein Unternehmensleitsatz ist: VORSPRUNG durch Wissen.

Für welche Anlässe kann das Vortragsthema Gedächtnistraining eingesetzt werden?

Das Tolle an meinem Thema ist, dass es so flexibel und überall einsetzbar ist. Sei es, um gedankliche Impulse zu setzen auf Mitarbeiter- und Kunden-Veranstaltungen. Oft werde ich auch als Icebreaker zu Beginn eines Events oder nach der Mittagspause gebucht. Meistens bin ich aber der Abschlussredner, der den Kongress, das Meeting oder Symposium abschließt, weil mein Vortrag sehr mitreißend, motivierend und nutzbringend ist. Etwas »Anderes« zum Schluss inkl. Bezug zur Veranstaltung. Das ist meine Stärke.

Sie halten nicht nur Vorträge, sondern geben auch Seminare. Was machen Sie lieber?

Beides hat seinen Reiz! Wenn ich ein 3-Tages-Seminar gebe, ist der intensive persönliche Kontakt sehr bereichernd. Ich lerne die Teilnehmer besonders gut kennen. Auch der Input, den ich weitergeben kann, ist natürlich um einiges umfangreicher. Wenn ich aber in mich hineinfühle, sind Vorträge nach wie vor meine Spezialdisziplin. Da laufe ich zur Höchstform auf, da sprudelt bei mir die Kreativität, das ist witzig, unterhaltsam und ich erreiche in kurzer Zeit viele Menschen, denen ich den Weg zu einem richtig guten Gedächtnis aufzeigen kann. Wahrscheinlich deshalb teilen sich meine Engagements in 80 % Speaking und 20 % Seminare. Für mich die perfekte Mischung!

Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?

Es gibt so viele neue Felder, die interessant sind. Mit Pro7/Sat1 habe ich einen Online-Lehrgang für zu Hause produziert, der für jedermann erschwinglich ist. Über Webinare möchte ich noch mehr Menschen erreichen. Das Thema Gedächtnis und Gehirn ist so facettenreich und gleichzeitig so brandaktuell. Da gibt es zahlreiche Ansatzpunkte, zu denen ich bereits neue Vorträge entwickelt habe. Zum Beispiel das Thema »künstliche Intelligenz«. Wie werden wir mit einem Wesen umgehen, das in naher Zukunft um ein Vielfaches intelligenter sein wird, als diejenigen, die es erschaffen haben? Stellen Sie sich diese Frage und die Antworten werden Ihnen nicht gefallen.

Was ist Markus Hofmann privat für ein Mensch?

Der coolste Papa, seit dem die Erdkruste abgekühlt ist! Ohne Witz! Mit meinem 6-jährigen Sohn springe ich über Trampolin-Parcours, bezwinge Kletterwände, spiele Minecraft und lese Harry Potter Bände laut vor. Und das war nur ein kleiner Ausschnitt aus meinem Repertoire.

In den Sommermonaten gehe ich mit meiner Frau in die Berge oder zum Segeln. Ich bin seit 1999 bei jedem Champions-League Finale des FC Bayern im Stadion dabei. Ich liebe es mit meinen Freunden zu grillen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Und ich arbeite daran, jeden Tag ein klein wenig besser zu werden, als Ehemann, als Vater, als Sohn, als Freund, als Kollege und als Vorbild.

Danke für das Interview und alles Gute für Ihre private und berufliche Zukunft.