Gedächtnisleistung im Schlaf – So funktioniert sie

Kennen Sie folgendes Phänomen? Sie müssen eine schwierige Entscheidung treffen, haben ein Problem oder eine schwierige Aufgabe, die es zu lösen gilt. Sie kommen aber einfach zu keinem Ergebnis. Also schlafen Sie eine Nacht darüber. Am nächsten Morgen haben Sie plötzlich die Lösung zur Hand. Als hätten Sie während des Schlafens einen Geistesblitz gehabt.
Forscher finden dieses Phänomen ebenso interessant. Daher existieren bereits viele Studien zu diesem Thema. Sie alle kommen auf einen gemeinsamen Nenner: In der Nacht entscheidet sich, ob Sie Erlerntes im Gedächtnis abspeichern und wie gut sich dieses wiedergeben lässt.
In einigen Studien ließen Forscher ihre Probanden tagsüber Dinge auswendig lernen. Eine Gruppe durfte anschließend schlafen, die andere hingegen nicht.
Das Ergebnis: Die Gruppen, die nach dem Lernen schliefen, zeigten eine deutlich bessere Gedächtnisleistung als die Vergleichsgruppen. Die Menschen, die nach dem Gelernten verschiedene Schlafphasen durchliefen, konnten die Inhalte immer besser wiedergeben als diejenigen ohne Schlaf.
Doch warum ist das so? Wir wollen dieses Mysterium einmal etwas näher beleuchten und Ihnen dabei auch gleich zeigen, wie Sie diese Erkenntnisse nutzen, um Ihre Gedächtnisleistung im Schlaf zu optimieren.

 

Das passiert tagsüber mit unserem Gedächtnis


Erholsamer Schlaf ist wichtig für unsere Gesundheit. Doch wussten Sie auch, wie wichtig er für die Gedächtnisleistung Ihres Gehirns ist? Denn Sie verarbeiten in der Nacht Erlebnisse und Gelerntes. Auch auf die Gedächtnisleistung am Tag hat das Schlafen große Auswirkungen.
So ermöglicht erst der gesunde Schlaf die gesamte Aktivierung des Zentralen Nervensystems am Tag. Das ist bedeutend für:

●        die Vigilanz/Vigilität (Wachsamkeit)

●        die selektive Aufmerksamkeit und

●        die geteilte Aufmerksamkeit


Vigilanz ist die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum auf einem hohen Niveau aufrecht zu erhalten. Dies benötigen Sie beispielsweise für langes, konzentriertes Arbeiten.
Wer eine gute selektive Aufmerksamkeit hat, kann Inhalte zuverlässiger selektieren und priorisieren. Das ist wichtig, wenn viele unterschiedliche Reize auf das Gehirn einströmen und die wichtigsten herausgefiltert werden müssen.
Die geteilte Aufmerksamkeit hat eine große Bedeutung für die schnelle und automatisierte Verarbeitung von Informationen im Gehirn. Wenn Sie mehrere Informationen parallel einordnen müssen, wie es zum Beispiel beim Autofahren der Fall ist, benötigen Sie eine hohe geteilte Aufmerksamkeit.
All diese Fähigkeiten kann das Gehirn jedoch nur dann sicherstellen, wenn Sie in der Nacht ausreichend erholsamen Schlaf hatten.
In diesen Bereichen haben daher Menschen mit einem guten Schlafrhythmus einen hohen Vorteil gegenüber Schlechtschläfern. Schlaf ist die nötige Voraussetzung für Gesundheit und Leistungsfähigkeit am Tag. Wer genau über sein Schlafverhalten Bescheid weiß, kann gegebenenfalls sanfte therapeutische Maßnahmen einleiten, um seine Gedächtnisleistung am Tag zu verbessern.

 

So verändert sich die Gedächtnisleistung im Schlaf


Wir haben also festgestellt, dass irgendetwas während dem Schlafen passieren muss, das die Gedächtnisleistung beeinflusst. Doch was genau steckt dahinter?
Forscher haben die Gedächtnisleistung im Schlaf untersucht und dabei viele interessante Erkenntnisse gewonnen.
So untersuchte eine erweiterte Studie, was passiert, wenn Probanden nicht wissen, dass sie das Gelernte am nächsten Tag wiedergeben müssen. Das Ergebnis dieser Studie: Die Probanden merkten sich die jeweiligen Informationen schlechter.
Aus den Ergebnissen dieser Studie haben die Forscher eine wichtige Schlussfolgerung gezogen: Nur bedeutende Informationen scheinen im Schlaf vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übertragen zu werden. Das Unwichtige wird einfach wieder vergessen.
Außerdem fand man heraus, dass genau die Netzwerkaktivitäten im Gehirn, die während des Lernens auftreten, sehr ähnlich auch beim Schlafen stattfinden.
Ereignisse, die Menschen am Tag erleben und Dinge, die sie lernen, werden in den Stunden des Schlafes verarbeitet. Dabei wird Wichtiges ins Langzeitgedächtnis transferiert. So entsteht vermutlich die Gedächtnisleistung im Schlaf.
Damit ist allerdings nicht ausschließlich das Schlafen in der Nacht gemeint: Studien belegen, dass auch ein kurzes Nickerchen von etwa einer Stunde auch am Tag signifikante Verbesserungen des Gedächtnisses bewirken kann. Ein kurzer Powernap zwischen zwei Lerneinheiten ist daher ein effektives Mittel zur Leistungssteigerung.

 

Warum ist ein geregelter Schlafrhythmus dabei wichtig?


Um die Bedeutung des regelmäßigen Schlafes zu verstehen, müssen Sie die verschiedenen Schlafphasen kennen:

●        Einschlafphase

●        Leichtschlafphase

●        Tiefschlafphasen

●        Traum- bzw. REM-Schlafphase


Einerseits gibt es die Tiefschlafphasen, die durch viele Delta-Hirnwellen geprägt sind. Andererseits gibt es den Traumschlaf. Dieser wird auch als REM-Schlaf bezeichnet, nach dem englischen
„Rapid Eye Movement“. Dieser Begriff kam zustande, da die Augen der Menschen sich in dieser Phase schnell und ruckartig bewegen. Der Tiefschlaf ist die erholsamste Schlafphase – während diesen Stunden bewegt der Körper sich kaum.
Auch zu diesem Thema gibt es eine aufschlussreiche Studie. Dafür untersuchten Forscher die Gedächtnisleistung im Schlaf bei Frühschläfern und Spätschläfern. Beide Gruppen durften drei Stunden schlafen, nachdem sie sich Informationen merken sollten. Somit wurde sichergestellt, dass alle Probanden zwischen Tiefschlafphasen und REM-Phasen wechselten.
Die Ergebnisse der Studien fielen unterschiedlich aus. Obwohl alle Teilnehmer gleich viele Stunden schliefen: Probanden, die früh am Abend schlafen gingen, wiesen mehr Tiefschlafphasen auf als die Vergleichsgruppe. Die Frühschläfer konnten sich zusammenhängende Wortpaare und Faktenwissen besser über Nacht merken als Probanden, die später schliefen und mehr REM-Phasen durchliefen.
Das heißt jedoch nicht, dass Spätschläfer allgemein eine schlechtere Gedächtnisleistung im Schlaf haben oder nicht gut lernen.

 

Das prozedurale Gedächtnis


Der REM-Schlaf hat nämlich auch einen Vorteil gegenüber dem Tiefschlaf.
Emotionale Erlebnisse und Informationen werden im Gehirn vor allem in REM-Phasen verarbeitet und ins Langzeitgedächtnis transferiert.
Daher sind Spätschläfer meist erfolgreicher bei Dingen, die das prozedurale Gedächtnis fordern. Dieses ist für alle automatisierten Handlungsabläufe wichtig, beispielsweise wenn Menschen ein Instrument lernen. Die koordinativen Bewegungsabläufe, die dafür nötig sind, werden in REM-Phasen in den dafür zuständigen Gehirnarealen verarbeitet und abgespeichert.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass das Gedächtnis durch den Wechsel der Schlafphasen erst vollständig gebildet wird. Der Tiefschlaf ist ebenso wichtig wie der Traumschlaf, wenn unterschiedliche Informationen im Gehirn abgespeichert werden sollen. Wer für ausreichend Schlaf sorgt, wird alle Phasen mehrmals durchlaufen und die volle Gedächtnisleistung im Schlaf nutzen.

 

Der circadiane Rhythmus


Der circadiane Rhythmus hilft unserem Gehirn, sich auf wiederkehrende Ereignisse einzustellen.
Er wird durch unterschiedliche innere und äußere Faktoren beeinflusst, beispielsweise:

●        die Tageszeit

●        Temperaturen

●        Verhaltensweisen (Essenszeiten, Schlafenszeiten usw.)


Sie können Ihr Gehirn dabei unterstützen, indem sie für eine gewisse Regelmäßigkeit sorgen. Essen Sie stets zur selben Zeit. Versuchen Sie, feste Schlafenszeiten einzuhalten. Das sorgt dafür, dass das Gehirn fit ist, wenn es arbeiten muss und entspannen kann, wenn eine Ruhephase ansteht.

 

Der Einfluss von Schlafstörungen auf das Gedächtnis


Viele Menschen leiden im fortschreitenden Alter unter Schlafstörungen. Das führt dazu, dass sie weniger Tiefschlaf durchlaufen und damit auch weniger Delta-Wellen im Gehirn entstehen. Die Folge: Die Gedächtnisleistung nimmt ab.
Die Lösung könnte so aussehen, dass der Tiefschlaf mithilfe von (pflanzlichen) Medikamenten oder alternativen Therapien gefördert wird. Das kann den Abbau der Gehirnsubstanz laut mehreren Studien verlangsamen.

 

Die Gedächtnisleistung im Schlaf


Sie wissen nun Bescheid, warum erholsamer Schlaf so wichtig ist. Er verbessert nicht nur die Abspeicherung wichtiger Informationen im Gehirn, sondern sorgt auch am Tag für mehr Leistungsfähigkeit. Das funktioniert besonders gut, da Sie keine neuen, aktuellen Sinneseindrücke wahrnehmen, während Sie schlafen. Lernen Sie daher, für einen gesunden, regelmäßigen Schlaf zu sorgen. So stellen Sie sicher, dass Informationen und Eindrücke sicher im Langzeitgedächtnis ankommen.
Denn ohne Schlaf gibt es weder ein langfristiges Gedächtnis, noch eine gute Konzentrationsfähigkeit. Halten Sie sich dies stets vor Augen und kümmern Sie sich um eine gute Gedächtnisleistung im Schlaf.

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