Markus Hofmann - Blog

Die unglaubliche Macht der Musik

Kennst du schon die unglaubliche Macht der Musik auf unser Denkvermögen? 1993 horchte die Fachwelt auf, als die US-Psychologin Frances H. Rauscher von der University of California in Irvine berichtete, dass einige ihrer Studenten räumliche Aufgaben besser lösten, wenn sie vorher zehn Minuten einer Mozart-Klaviersonate gelauscht hätten. Seitdem ist das Phänomen als "Mozart-Effekt" bekannt.

Musik

Kennst du schon die unglaubliche Macht der Musik auf unser Denkvermögen? 1993 horchte die Fachwelt auf, als die US-Psychologin Frances H. Rauscher von der University of California in Irvine berichtete, dass einige ihrer Studenten räumliche Aufgaben besser lösten, wenn sie vorher zehn Minuten einer Mozart-Klaviersonate gelauscht hätten. Seitdem ist das Phänomen als "Mozart-Effekt" bekannt. Musik bilde das Gedächtnis, verbessere die Sprachfähigkeit, steigere die allgemeine Intelligenz. So lautete lange das einhellige Urteil. Doch ganz so einfach ist das Ganze leider doch nicht. Fehler in der Methodik der damaligen Untersuchung stellen den IQ-steigernden-Effekt inzwischen in Frage. Und es besteht ein erheblicher Unterschied darin, ob Musik nur gehört oder selbst musiziert wird. Wobei beides in mehrerlei Hinsicht eindeutige positive Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten hat, wenn auch in unterschiedlicher Weise.

 

Macht Musik hören intelligent?

Beim „Mozart-Effekt“ wurden Personen durch das Hören von fröhlicher und schneller Musik Mozarts kurzfristig (für 20 bis 30 Minuten) in einen Zustand höherer Aktivierung und Leistungsbereitschaft versetzt  und zeigten daher bei bestimmten Papier-Falt-und-Schneide-Aufgaben bessere räumlich-visuelle Leistungen als Personen, die keine Musik gehört hatten. Dieser Effekt hat nichts mit der Verbesserung der allgemeinen Intelligenz oder einzelner kognitiver Fähigkeiten zu tun, sondern kommt allein dadurch zustande, dass die Versuchspersonen durch das Hören von Musik vorübergehend in einen Zustand erhöhter kognitiver Erregung und guter Stimmung versetzt wurden. Was ist passiert? Ich würde behaupten, dass die Personen sich vor der Aufgabe geistig aktiviert haben. Komplexe Musik, die der Hörer als angenehm empfindet, kann für kurzzeitige Effekte also dazu genutzt werden, sich sowohl geistig zu aktivieren, als auch sich mental in einen ruhigen, konzentrierten und aufmerksamen Zustand zu versetzen. Dies wird deine Leistungsfähigkeit erhöhen. Du kannst hierfür natürlich auch eine andere Form der geistigen Aktivierung oder der Entspannung nutzen. Dein Leistungsvermögen nimmt sicher kurzfristig zu, aber intelligenter wird man so leider nicht.

 

Unser Gehirn liebt es, Musik zu machen

Die kognitiven Effekte bei aktiver musikalischer Betätigung sind deutlich komplexer. Man kann zwar nicht per se sagen, dass Musik machen intelligenter macht, die Vielzahl der positiven Effekte ist jedoch erstaunlich.

[caption id="attachment_134" align="alignnone" width="583"]Die Macht der Musik © Fotolia 2016/ bilderstoeckchen Musizieren macht Spaß und fordert unser Gehirn auf viele verschiedene Arten![/caption]

Musizieren bietet den Vorteil, dass es von vielen als eine angenehme Freizeitbeschäftigung angesehen wird, vermutlich weil unser Nervensystem schwierige Aufgaben bewältigen darf. Unser Gehirn liebt Aktivität und die durch Musik verursachte scheinbar in besonderer Weise.

Hierzu ein Zitat von Prof. Dr. Gerald Hüther, Hirnforscher und Professor für Neurobiologe an der Universität Göttingen: "Es ist eigenartig, aber aus neurowissenschaftlicher Sicht spricht alles dafür, dass die nutzloseste Leistung, zu der Menschen befähigt sind – und das ist unzweifelhaft das unbekümmerte, absichtslose Singen – den größten Nutzeffekt für die Entwicklung von Kindergehirnen hat."

Die besondere Macht der Musik besteht darin, das Gehirn  komplexer Weise herauszufordern. Prof. em. Dr. Wilfried Gruhn, Musikpädagoge an der Musikhochschule Freiburg begründet das damit, dass "beim Musizieren Hören und Sehen, Fühlen und Tasten, Bewegung und Koordination, Imagination und Kreativität in besonders intensiver Weise miteinander verbunden werden. Insofern ist das Beste, was wir einem Kind bieten können, zu ihm und mit ihm zu singen, zu spielen und zu tanzen.“

Dieses Zusammenspiel der verschiedenen Fähigkeiten aktiviert die unterschiedlichsten Hirnregionen, was positive Auswirkungen auf die kognitive und emotionale Entwicklung bewirkt.

 

Musizieren formt das Gehirn

Bereits die erste Flöten- oder Klavierstunde führt zur Vernetzung der motorischen Zentren und der Hörzentren im Gehirn. Nach drei Wochen Unterricht sind diese Netzwerke stabil und bleiben jahrelang erhalten.

Nach etwa einem Jahr Instrumentalunterricht lassen sich bei Schulkindern auch deutliche Veränderungen der Hirnstruktur nachweisen. Die Hirnforscherin Dr. Krista Hyde aus Boston zeigte, dass Kinder, die in der Woche circa zwei Stunden Klavier spielten, gegenüber nicht Klavier spielenden Kindern eine größere Nervenzelldichte in den sensomotorischen Zentren der linken Hand und in den Hörregionen besaßen. Dies zeigte sich auch darin, dass diese Kinder feinmotorisch geschickter waren und ein präziseres Gehör hatten. Außerdem war die Nervenfaserverbindung zwischen beiden Hirnhälften, der sogenannte Balken, bei den Klavierkindern größer. Das heißt, dass beide Hirnhälften besser miteinander kooperieren. (vgl. Musik und das Gehirn - Professor Eckart Altenmüller, Univ. Prof. Dr. med., Hannover, Direktor des Institutes für Musikphysiologie und Musikermedizin der Hochschule für Musik und Theater Hannover)

Neben der Verschaltung von Hören und Bewegen werden auch die Sehzentren und die Planungszentren in den verschiedenen Hirnregionen beansprucht: Wir sehen unsere Hände sich bewegen und wir entziffern den Notentext. Die Bewegungen werden geplant, um mit den richtigen Fingern etwa die korrekten Tasten zur richtigen Zeit anzuschlagen. Zusätzlich wirkt Musik stets auch auf die Emotionen, die dann die Gefühlszentren tief im Innern des Gehirns aktivieren. Hier zeigt sich die Macht der Musik besonders deutlich, denn diese Emotionen sind es, die das Gelernte festigen und uns helfen, dass wir Musizieren als so angenehm empfinden.

 

Musik macht den Alltag leichter

Neben dem positiven Erlebnis beim Musik hören und machen, sind es aber die Transfereffekte im Alltag, die Musik so wertvoll für unser Gehirn und uns selbst machen.

Es wurde gezeigt, dass musikalisch geschulte Kinder den Ausdruck traurig, fröhlich, ängstlich oder ärgerlich gesprochener Sätze sicherer identifizieren konnten als nichtmusizierende Kinder. Erwachsene, die in ihrer Kindheit und Jugend einige Jahre Musikunterricht hatten, können Geräusche später effektiver verarbeiten als musikalisch ungeschulte Zuhörer. Das hilft vor allem, um Sprache in lauter Umgebung besser zu verstehen, beispielsweise bei lauter Musik im Restaurant oder bei Nebengeräuschen im Großraumbüro. Die Tatsache, dass Musikunterricht in der Kindheit die Fähigkeit bei der Verarbeitung gehörter Sprache verbessert, ist besonders spannend, denn diese Fähigkeit ist die erste, die schwindet, wenn wir altern.

Und auch wenn du in deiner Kindheit und Jugend kein Instrument gelernt haben, kannst du auch noch im Erwachsenenalter vom Lernen eines Instruments profitieren.

In einer Untersuchung wurde festgestellt, dass selbst bei ungeübten Erwachsenen nach kürzester Zeit bleibende Veränderungen im Gehirn nachweisbar sind. Bereits nach 20 Minuten Klavierüben kam es bei Anfängern zu einer funktionellen Kopplung mit gleichzeitiger Aktivierung der Nervenzellverbände in den Hörrinden und in den sensomotorischen Arealen. Nach fünf Wochen Training am Klavier sind diese zunächst nur vorübergehenden Änderungen der neuronalen Vernetzung stabil. Es kommt zu einer Zunahme der neuronalen Verbindungen und der Geschwindigkeit der neuronalen Leitgeschwindigkeit zwischen den Hör- und Bewegungsregionen.

 

Gemeinsam noch mehr erreichen durch die Macht der Musik

Man kann also nur jedem raten, sich regelmäßig dem Genuss des Musik Hörens und Machens hinzugeben, da dein Gehirn und damit du selbst in unglaublich vielfältiger Weise profitierst. Wichtig ist natürlich, dass der Spaß dabei erhalten bleibt und gerade bei Kindern das Ganze nicht in Zwang ausartet.

Am besten ist es, wenn das Musizieren zum Gemeinschaftserlebnis wird, denn dann macht es meist besonders viel Spaß. Studien belegen, dass der Organismus etwa beim Chorsingen vermehrt Oxytocin ausschüttet, das auch als Vertrauenshormon bekannt ist. Wer allein am Klavier spielt, trainiert vornehmlich feinmotorische Fertigkeiten, Gehör und Gedächtnis. In der Gemeinschaft mit anderen kommt eine weitere wichtige Dimension hinzu: Man will zusammen etwas Schönes erschaffen, muss sich dafür konzentrieren, auf andere einstellen.

Der entscheidende Faktor, um die Macht der Musik zu nutzen: Egal ob talentiert oder nicht, jeder macht Fortschritte, wenn er regelmäßig übt. So entsteht Selbstvertrauen, das wiederum auf anderen Gebieten Vorteile bringt.

Es ist nie zu spät, deinem Gehirn die Freude des Musizierens zu gönnen.

 

Bildquelle Titelbild: Fotolia 2015/ Matthias Enter