Vokabeln lernen

 

Damit du dir Fremdwörter schnell und nachhaltig merkst, empfehle ich dir folgenden Trick. Verwandle zuerst die Fremdwörter in ein Ersatzwort oder emotionales Bild in deiner Muttersprache. Dies könnte z.B. ein gleich klingendes deutsches Wort sein, worunter du dir etwas vorstellen kannst. Dieses Bild verknüpfst du nun mit einem mentalen Briefkasten, der im Fall von Vokabeln die deutsche Übersetzung ist.

Erst mal ein Beispiel, damit du dir das leichter vorstellen kannst. Angenommen möchtest dir das englische Wort ‚grizzle“, was soviel bedeutet wie nörgeln bzw. schmollen, merken. Die Geschichte dazu könnte lauten: In der Ecke sitzt nörgelnd ein Grizzly-Bär, der mich ganz schmollend ansieht. Wenn du nun in einem Gespräch nach dem englischen Wort suchst, erinnerst du dich an die Geschichte, die du dir zuvor überlegt hast. Du startest immer bei der deutschen Übersetzung. In diesem Fall kannst du dich dann fragen: „Wer oder was schmollt in der Gegend rum?“ Wenn die Verknüpfung emotional und spannend genug war, wirst du schnell auf den Grizzlybär kommen und wissen, dass schmollen auf Englisch ‚to grizzle’ heißt.

Machen wir das Ganze noch einmal mit einer anderen Vokabel. Schwimmbrille heißt auf Englisch goggles. Ich beginne wieder mit dem deutschen Wort. Du erinnerst dich!? Das deutsche Wort ist ja immer mein Briefkasten und der Ausgangspunkt meiner Geschichte. Also meine Frage: Wer hat eine Schwimmbrille auf?

Der 2. Schritt ist nun: Ich muss für das englische Wort – also goggles – ein ähnlich klingendes deutsches Ersatzwort finden. Goggles.

Die Süddeutschen haben es nun ein wenig einfacher. Die denken nämlich gleich an den Goggel, oder auf Hochdeutsch: Gockel. Der Gockel starrt mich durch eine Schwimmbrille an. Was mache ich jetzt, wenn ich  zu jemanden auf Englisch den Satz sagen möchte: „Reich mir bitte die Schwimmbrille“? Innerlich stelle ich mir die Frage: „Wer hat eine Schwimmbrille auf?“ natürlich der Gockel, was mich dann zu goggles bringt. Somit lautet der Satz: ”Give me the goggles, please!” Alle anderen Wörter in diesem Satz sind dem Sprecher normalerweise geläufig, sodass er sich nur das Wort „Schwimmbrille“ bewusst in Erinnerung rufen muss.

Werfen wir mal einen Blick auf Französisch:

Chaise – Chaise das französische Wort für „Stuhl“. Und was hörst du, nach was klingt das?

Ja klar, was für ein Schäiss.                        

Das passende Bild dafür sieht dann zum Beispiel so aus: Auf den Stuhl hat ein Vogel draufgekackert. Also ein großer Vogel … ein Strauß z.B. Also sehe ich einen riesen Schäishaufen auf dem Stuhl. Der Stuhl auf Französisch – chaise.

Cher – Cher ist das französische Wort für teuer. Und cher klingt wie … Schere! Genau. Jetzt darfst du dir eine Schere vorstellen, die mit Diamanten besetzt und extrem teuer ist. Du fragst dich also, was ist das Teuerste, was ich besitzen? Eine Schere! Somit weißt du, teuer heißt auf Französisch - cher

Liberté ist das französische Wort für Freiheit. Ich beginne meine Geschichte wieder beim deutschen Wort. Ich habe jeden Morgen die Freiheit Kaffee oder lieber Tee zu trinken. Somit ist Freiheit sofort mit liberté verknüpft.

Wie gesagt, die Technik funktioniert mit allen Sprachen.

Zum Beispiel Spanisch:

Panza – ist das spanische Wort für Bauch. Was lässt du ganz entspannt über deinen Bauch fahren? Natürlich einen Panzer. Ein wenig die Bauchmuskeln anspannen, dann klappt das schon. Somit heißt der Bauch auf Spanisch – panza.

Sujetador – so klingt das, wenn Spanier „BH“ oder „Büstenhalter“ sagen. Du weißt: Briefkasten ist BH/Büstenhalter. Und die Geschichte dazu: Am Tatort wird verzweifelt ein Büstenhalter gesucht. Also eine Suche am Tatort. Sujetador! Büstenhalter auf Spanisch ist sujetador.

Klar, am Anfang dauert es natürlich, bis du die einzelnen Teile zu einem Wort zusammengefasst hast. Dies mag auch durchaus noch abgehackt klingen. Zu Beginn geht es ja erst einmal darum, sich das Wort zu merken und zu üben. Nach ein paar Wiederholungen wird der Sprachgebrauch immer flüssiger und irgendwann brauchst du die merk-„würdige“ Geschichte nicht mehr. Sie ist nur die (Esels)-Brücke ins Langzeitgedächtnis.

Hier noch weitere Bilder:

To apologize -  sich entschuldigen (derjenige, der die Appollo-Rakete gebaut hat entschuldigt sich, weil unten lauter scheiß rauskommt)
To abandon sth/so – etwas aufgeben, jemanden aussetzen (einen Hund anbinden und dann verlassen – aussetzen)
To bloat – aufblasen (ein Schlauchboot das man aufbläst)
To goggle – glotzen, starren (Ein Gockel, der einen anstarrt)
To mow – mähen (Eine Kuh, die auf der Wiese steht und muht, oder wegen der man die Wiese nicht mehr mähen muss)
To lock – einschließen (Sie lockte ihn in den Keller und schloss ab)

Beispiele auf Latein:

echte Traubenkirsche - Prunus padus (Ich lasse eine dicke, fette Traubenkirsche gleichzeitig in einen Brunnen mit einer Nuss hinein fallen. Die Brunnen-Nuss (Prunus) fällt schneller als erwartet nach unten. Ein paar Dussel (padus) warten unten und fangen die Traubenkirsche und die Brunnen-Nuss auf.

Kieferngewächse – Pinaceae (an meinem Kiefer hängt ein Pin-Up-Kalender, der bis zu meinen Zehen runter reicht)

Rosengewächse – Rosaceae (die Rosen wachsen zwischen meinen Zehen)

Echte Pestwurz - Petasites hybridus (Die Pest muss an der Wurzel gepackt werden. Peter (Pan) sieht das (Petasites) ebenfalls so und kauft sich deshalb ein Hybrid-Auto aus den US (hybridus)

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