Markus Hofmann - Blog

10 Mythen über Lernen

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Wenn du es dir aussuchen könntest: Wärst du dann lieber schlau – oder lieber durchschnittlich intelligent? Dumme Frage, was? Schlau sein will doch jeder. Und dazu noch kreativ, stets auf den Punkt konzentriert und natürlich auch noch im hohen Alter jung im Kopf und gedächtnisstark.

Unsere Wünsche ins Gegenteil verkehrt sind meist unsere Ängste: So ist die Vorstellung, im Laufe des Lebens geistig abzubauen oder gar an einer Demenz zu erkranken, ein weitverbreiteter Albtraum in Deutschland.

Kein Wunder also, dass die Themen „Intelligenz“ und „geistige Fitness“ die Magazine füllen. Doch es halten sich jede Menge hartnäckiger Gerüchte. Soll das Gehirn jetzt gefördert und trainiert werden wie ein Muskel – oder nützt das noch nichts? Sind Computerprogramme fürs Hirntraining sinnvoll? Was bewirken Denksportaufgaben? Kann ein veränderter Lebensstil das Gedächtnis verbessern?

Heute stelle ich dir die zehn hartnäckigsten Lernmythen vor – und zeige dir, mit welchen wissenschaftlich empfohlenen Maßnahmen du dein Gehirn wirklich fit hältst – egal, wie alt du bist.

Mythos 1: Unter Druck lernt sich’s besser

Viele Menschen beginnen erst kurz vor der Prüfung oder der Präsentation mit dem Lernen oder Vorbereitung und glauben, dass sie durch den Druck effektiver arbeiten können. Aber vielleicht haben sie es vorher einfach gar nicht probiert? Studien jedenfalls legen das entspannte Lernen nahe. Bei Stress werden verschiedene Hormone wie Cortisol und Adrenalin im Körper freigesetzt. Sie versetzen den gesamten Körper in einen aufmerksamen Zustand, bereiten ihn aber auch auf Bewegung, Kampf oder Flucht vor.

Ein mittleres Stresslevel könne sich durchaus positiv auf das Lernen auswirken und sei auch bei Prüfungen nicht von Nachteil, erklären Psychologen. Sobald ein gewisser Punkt allerdings überschritten ist, werden Inhalte nicht mehr gründlich verarbeitet und gespeichert. Daher sollten auch Eltern und Lehrer darauf verzichten, ihre Kinder oder Schüler unter psychischen Druck zu setzen. Entspannung und Ruhe helfen vor allem beim verstehenden Lernen und beim Lösen komplizierter Aufgaben.

Als Gedächtnis-Experte empfehle ich Gehirnjoggingübungen zur geistigen Aktivierung vor einem Lernaufwand und natürlich ganz konkrete Gedächtnistechniken zum schnellen Abspeichern von Wissen! 

Mythos 2: Zucker für die Nerven

Erinnerst du dich noch an die Traubenzuckerkinder? Sie bekamen von ihren Müttern vor Klausuren immer Traubenzucker zugesteckt. Es steigere die Konzentrationsfähigkeit. Zucker als Nervennahrung? Sogar ein bekannter Traubenzuckerhersteller wirbt mit dieser vermeintlichen Wirkung.

Aber was hat es tatsächlich damit auf sich? Es ist eine Frage der Dosis, wie Ernährungsforscher wissen. Zu viel Zucker und Fett schaden dem Gehirn, wie Experimente mit Ratten zeigten. Wurden die Tierchen mit stark zucker- und fetthaltigem Futter gemästet, bauten sie geistig ab und wurden anfälliger für Hirnschäden.

Zudem lässt Traubenzucker den Blutzuckerspiegel sehr schnell ansteigen. Durch das ausgeschüttete Insulin sinkt dieser rasch wieder unter den Ausgangwert ab. Heißhunger und Konzentrationsprobleme sind die Folge. Um dauerhaft konzentriert zu bleiben, benötigt der Körper langkettige Kohlenhydrate wie in Vollkornprodukten, Kartoffeln, Reis oder Nüssen.

Wichtiger als Zusatzpräparate, Zucker oder ähnliches scheint Trinken für das Gehirn zu sein. Wasser ist ein wichtiger Treibstoff für das Gehirn! Wer genug trinkt, beschleunigt und verbessert damit seine Gehirnleistungen. 

Mythos 3: Am besten lernt man immer am selben Ort

Um es gar nicht erst zu Missverständnissen kommen zu lassen: Schüler brauchen einen festen Platz, einen Schreibtisch, an dem bestenfalls nur sie lernen und ihre Hausaufgaben machen. Das dient der Organisation häuslichen Lernens und fördert den Gewöhnungsprozess („Ich setze mich an den Schreibtisch, ich fange an zu lernen“). Gleichwohl kann es hilfreich sein, den üblichen Ort des Lernens einmal zu verlassen.

Neue Lernorte optimieren das Erinnerungsvermögen. Psychologieprofessor Martin Schuster rät seinen Studenten – etwa vor Examina – auch mal im Park oder Schwimmbad zu büffeln. Der Trick dabei: Das Gelernte lässt sich leichter abrufen, indem man sich an den Lernort (den Tag, die Umstände, die Gerüche, das Gesehene und Erlebte) erinnert. Wissenschaftler sprechen von vielfältigen „Assoziationen“, mit denen der Lernstoff verbunden ist.

Die Königsdisziplin davon sind natürlich die MNEMO-Techniken, mit denen man bis zu 80% der Lernzeit einsparen kann.

Mythos 4: Sport trainiert auch das Gehirn

Früher lautete ein gängiges Vorurteil, dass Sportler sind nicht besonders hell im Kopf sind. Heute denkt man genau andersherum: Von Sport profitiert nicht nur den Körper, heißt es, sondern auch der Kopf. Sportler müssten also auch geistig fitter sein als Bewegungsmuffel. Jedoch gibt es keinen ernsthaften Beweis für diese These. Detaillierte, aussagefähige Studien fehlen.

Dennoch sind Hirnforscher überzeugt, dass von sportlicher Aktivität auch das Gehirn profitiert. Wer sich bewegt, versorgt es mit mehr Blut und damit auch mit Sauerstoff, neue Verknüpfungen von Nervenzellen entstehen. Die so aktivierten Nervenzellen sollen angeblich besonders lernfähig sein, allerdings sterben die vielfachen Verknüpfungen nach einigen Wochen wieder ab, wenn man sie nicht nutzt.

Sportliche Jugendliche sind in der Schule erfolgreicher

Und unbestritten sind noch andere positive Effekte von Bewegung: Gesundheit und größeres Wohlbefinden. Auch Aggressionen, Stress und Blockaden lassen sich mit Sport abbauen – so gesehen ist sportliche Betätigung mit Sicherheit auch für das Lernen hilfreich.


Sportliche Jugendliche sind in der Schule erfolgreicher. Viele Sportarten fördern Teamgeist, Disziplin, Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein – alles Eigenschaften, die man auch in der Schule braucht, um erfolgreich zu sein.

Manche Eltern fürchten, dass die beim Sport verbrachte Freizeit zu Lasten des Lernens gehe und sich schlecht auf die Noten auswirke. Was im Einzelfall durchaus stimmen mag, lässt sich dagegen nicht verallgemeinern. Amerikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass sportliche Kinder in aller Regel nicht weniger lernen, wohl aber weniger Zeit für andere Dinge, z.B. das Fernsehen, haben.

Mythos 5: Mit Musik lernt sich’s leichter 

Schüler behaupten gerne, dass sie mit einem Streamingdienst oder ihrer Lieblingsmusik im Hintergrund besser lernen können. Aber auch in Büros dudelt Musik und feixen smarte Moderatoren, während sich die Angestellten um ihre Arbeit kümmern.

Das funktioniere meist nicht besonders gut, erklärt Lutz Jäncke, Professor für Neuropsychologie an der Universität Zürich. „Hören und Lernen sind zwei verschiedene Tätigkeiten. Werden sie simultan ausgeführt, wirkt das belastender“, sagt er. Ohne es zu merken, gebe man sich meist der Musik hin – auf Kosten des Lernens.

„Eine Ausnahme besteht allerdings, wenn der Lernende müde und demotiviert ist“, bemerkt Jäncke. Dann könne kurzzeitige Musik helfen. Es sei dann allerdings vermutlich besser, eine Pause zu machen, in der Musik gehört wird und anschließend frisch und munter wieder ans Werk zu gehen.

Popgesang und Vokabeln vertrügen sich am schlechtesten, dagegen könne Musik beim Malen durchaus beflügeln.

Mythos 6: Hirnjogging macht schlau

Hirnjogging-Programme, die Gedächtnis- und Gehirnleistung trainieren, erleben derzeit einen Boom. Begonnen hat alles natürlich in Amerika, mit so genannten „Fitness-Studios fürs Gehirn“. Mittlerweile sitzen die Menschen auch in Deutschland daheim am Computer und spielen verschiedene Spiele, mit denen sie ihre Gedächtnisleistungen trainieren. Auch ich gehöre zu den Fans und regelmäßigen Anwendern dieser Programme! (Mehr dazu gibt es im nächsten Newsletter!)

Viele Menschen denken nun, ein fittes Gehirn steigere auch die Intelligenz. Das stimmt so aber leider nicht. Es gibt kein Training, das den Menschen schlauer macht. Was hingegen stimmt: Bestimmte Gehirn- und Gedächtnisfunktionen lassen sich sehr gut trainieren. Am besten mit einer Vielzahl unterschiedlicher Übungen, die sich deinem Können anpassen. Denn: wer beispielsweise ausschließlich Sudoku spielt, wird zwar im Sudoku-Spielen besser, aber nicht darin, sich Namen zu merken. Also: Gehirnjogging ob analog oder digital steigert deine Gehirnleistung. Vor allem das Arbeitsgedächtnis lässt sich damit enorm verbessern! Achte dabei jedoch unbedingt auf vielfältige Übungen.

Mythos 7: Nur Übung macht den Meister

Intelligenz und Begabungsunterschiede haben genetische Ursachen. Um ein bestimmtes Lernziel zu erreichen, müssen sich Schüler also mal mehr, mal weniger anstrengen. Ohne eine gewisse Portion Eifer allerdings wird es selbst den Schlauesten nicht gelingen, wirklich gut in einem Bereich zu werden.

Um etwas beherrschen zu wollen, ist Begeisterung und Zeit nötig. Nicht immer muss es Übung sein, im Sinne von Auswendiglernen oder sturem Wiederholen. So reicht es keineswegs aus, sich den Satz „Kraft ist Masse mal Beschleunigung“ zu merken. Nur wer dank verschiedener Versuche die Wirkungen des Gesetzes erfahren und erprobt hat, wird es auch wirklich verstehen und anwenden können.

Schüler, die freiwillig und gern viel Zeit in ein Unterrichtsfach investieren, sind neugierig und vom Stoff fasziniert. Was ein Schüler aus seinem vorgegebenen intellektuellen Potenzial macht, hängt laut Lernforscherin Elsbeth Stern dementsprechend ganz entscheidend von drei Faktoren ab: persönlicher Einsatz, Hingabe und Motivation.

Mythos 8 Kinder muss man dauernd loben

Leistungen ihrer Kinder sollten Eltern loben, aber angemessen. Vor übertriebenen und generellen Formulierungen wie „Kleines Mathe-Genie“ oder „Selbst Picasso hätte es nicht besser gemacht“ warnen Psychologen. Für jede Kleinigkeit gelobte Kinder bekommen ein falsches Selbstbild und verlieren womöglich die Motivation, sich anzustrengen.

Statt Intelligenz („Du bist echt schlau“) und Talent („Du bist so begabt“) zu loben, ist es besser, die Ausdauer oder Anstrengung eines Kindes zu würdigen. Experten raten zudem, nicht immer das gleiche Lob auszusprechen („Super-Bild“), sondern eher Details hervorzuheben: „Hier hast du besonders genau gezeichnet“ oder „Toll, dass du bis zum Schluss durchgehalten hast“.

Mythos 9: Meditation beruhigt den Kopf

So still und friedlich sehen meditierende Menschen aus, dass man kaum glauben kann, in ihrem Gehirn rege sich noch etwas. Weit gefehlt. Mithilfe von Hirnscans und Hirnstrommessungen fanden Forscher heraus, dass sich in den Köpfen meditierender Mönche viel mehr abspielt, als in denen von ruhenden Testpersonen. Bei den Mönchen waren besonders die Gamma-Wellen aktiv. Diese Wellen werden sowohl mit transzendentalen Erlebnissen als auch mit kognitiven Höchstleistungen in Verbindung gebracht. Ein zweites Ergebnis der Hirnforschung ist, dass es aufgrund von Meditation zu Veränderungen der Hirnsubstanz kommt. In verschiedenen Arealen des Gehirns ist es nach mehreren Wochen regelmäßigen Meditierens zu einer höheren Dichte von Nervenzellen gekommen, sagen amerikanische Forscher. Möglicherweise wachsen während der Meditation sogar zusätzliche Nervenzellen. Also, rein in die Stille!

Mythos 10: Mozart macht schlau

Etliche Fan-Gruppen auf bizarren Seiten im Internet postulieren, dass das Hören von Mozart-Musik einen positiven Effekt auf Intelligenzleistungen habe. Dabei übersehen sie allerdings, dass die zugrunde liegenden Untersuchungen der Psychologen Frances Rauscher und Kim Ky, in Zusammenarbeit mit dem Physiker Gordon Shaw, bestenfalls Rückschlüsse auf räumlich-visuelle Fähigkeiten zulassen, jedoch keinesfalls auf den IQ. Des Weiteren entstand der vermeintliche Leistungseffekt von Mozart-Musik im Vergleich zu Ruhe- und Entspannungsbedingungen. Mehrere Untersuchungen führten zu der Hypothese, dass der Mozart-Effekt in den Fällen, in denen er sich nachweisen ließ, als Folge der höheren kognitiven Erregung und der besseren Stimmung der Versuchspersonen erklärt werden kann. Demnach gebe es auch einen Schubert-Effekt, einen Stephen-King- wie auch einen Kaffee-Effekt, erklären die Forscher.