Markus Hofmann - Blog

Das perfekte Gedächtnis

Neulich im Seminar: „Markus, die unnötigsten Sachen kann ich mir merken: Ich werde mich zum Beispiel auf ewig erinnern, dass die Fettschicht von Walen und Robben ,Blubber‘ heißt. Aber meinst du ich weiß noch, wo ich vor zwei Minuten meinen Autoschlüssel hingelegt hab?“ So wie Steffi geht es vielen meiner Seminar-Teilnehmern: sie vergessen das Wichtige und erinnern sich an Unwichtiges. „Ich hätte gerne ein perfektes Gedächtnis – eines, das sich alles merken kann“, meinte Steffi weiter. Ist ein Gedächtnis, das sich an alles erinnert ein „perfektes Gedächtnis“? Und wäre das erstrebenswert?

 

Menschen, die nicht vergessen können

Die Amerikanerin Jill Price weiß nicht nur, wo sie gerade eben ihren Autoschlüssel hingelegt hat. Sie erinnert sich, wo er an diesem Tag vor fünf Jahren lag, wo sie ihr Auto am 23.04.2010 parkte und was sie am 17.09.2016 zu Mittag aß. Jill Prices biografisches Gedächtnis ist phänomenal – und äußerst selten. Sie hat das so genannte hyperthymestische Syndrom. Jills Gedächtnisleistung reicht 10 Jahre zurück und ist beschränkt auf das, was sie selbst erlebte. Innerhalb dieses Informationsbereichs allerdings selektiert ihr Gehirn nicht – sondern speichert einfach ALLES ab.

Für Price ist diese Begabung ein Fluch. Kein Segen. Jill Price ist von einem ununterbrochenen Erinnerungsfilm umgeben. Dabei erlebt sie alle Emotionen und Stimmungen in derselben Intensität wie damals erneut – und das ständig.

 

Ein perfektes Gedächtnis vergisst auch

Vor einiger Zeit habe ich mich intensiv mit dem Phänomen der Savants und ihrem anscheinend so perfekten Gedächtnis beschäftigt. Vielleicht erinnerst du dich noch an meinen Blogartikel dazu. Das Gedächtnis von Savants beschränkt sich individuell auf ganz spezielle Bereiche. Manche erinnern sich an aufwändigste Orchester-Kompositionen nach einmaligem Hören bis ins Detail (wie es z.B. Mozart nachgesagt wird). Andere malen nach einmaligem Sehen detailgenau Straßenzüge einer Stadt nach.

Savants mögen einerseits Genies sein, andererseits scheitern sie aber an Alltäglichem, wie zum Beispiel sich alleine anzukleiden oder die Schuhe binden.

 

Ein perfektes Gedächtnis selektiert: Was ist erinnerungswürdig und was nicht

Ein perfektes Gedächtnis selektiert und vergisst. Je besser wir uns an Relevantes erinnern statt an Unwichtiges, desto besser meistern wir den Alltag, denn umso schneller kann unser Gehirn Informationen abrufen. Du siehst eine glühende Herdplatte und weißt hoffentlich sofort: heiß! Nicht anfassen! Dein Chef lächelt verschmitzt und kratzt sich am linken Ohr – und du weißt aus Erfahrung (und Erinnerung): Entspannung ist angesagt, er hat eine gute Nachricht mitzuteilen. Du musst nicht täglich aufs Neue überlegen, wie du Schnürsenkel bindest oder was noch mal zwei plus zwei ergibt. Mit anderen Worten: Weil du dich erinnerst und vergisst, kannst du den Alltag bewältigen.

Wonach selektiert unser Gehirn? Ob wir etwas vergessen, hängt zum einen davon ob die Information für uns interessant erscheint – und falls ja, wie interessant sie ist. Zum anderen damit, ob Emotionen mit ihr verbunden sind, wie bildlich die Erinnerung ist, wie sie aufbereitet ist und auch, zum Teil jedenfalls, wie relevant das Erlebte oder Erfahrene ist.

 

Ganz wichtig für das perfekte Gedächtnis: Emotionen und Bilder

Weißt du noch, wie die Fettschicht von Walen und Robben heißt? Genau: Blubber. Warum du das noch weißt? Es ist so eine schön bildliche Information. Bestimmt siehst du einen Wal vor dir, der beispielsweise Blubberblasen unter seiner Haut trägt. Oder du verbindest Verona Feldbuschs „Blubb-Spinat“ mit dem Wal. Sicherlich musstest du auch Schmunzeln bei diesem Beispiel für unnützes Wissen. Damit sind zwei wichtige Erinnerungsfaktoren gegeben: Die Information ist bildlich und hat eine Emotion bei dir ausgelöst. Meine Gedächtnistechniken funktionieren genau deshalb: Sie verwandeln noch so abstrakte Informationen wie eine PIN in mit Emotionen aufgeladene Bilder und Geschichten.

Ein weiterer wichtiger Faktor fürs Erinnern ist die Achtsamkeit. Den Schlüssel auf dem Weg vom Flur in die Küche verlegt? Dann warst du mit den Gedanken ganz woanders. Passiert dir so etwas öfter, solltest du dem Alltäglichen wieder mehr Relevanz geben. Zum Beispiel mit folgendem Ritual: Komme ganz bewusst nach Hause, tritt durch die Wohnungstür, sei mit deinen Gedanken, deinem Körper voll und ganz hier (und nicht mehr auf der Arbeit oder schon im Sportstudio). Kommst du mit dieser Aufmerksamkeit zu Hause an, wirst du auch den Schlüssel ganz bewusst ablegen – und dich deshalb später erinnern, wo du ihn abgelegt hast.

 

Was kannst du tun, um dein Gedächtnis darauf zu schulen, dich an das Wichtige zu erinnern?

Du kannst auch kleine Liebesbriefe an dein Gehirn schicken. Dein Gehirn liebt bildliche, emotionale Informationen – also verpackst du alles, was du nicht vergessen möchtest, eben genau so. Dann nimmt dein Gehirn sie dankend auf und erinnert sich nur zu gerne.

Wenn du oft zerstreut bist, dich schlecht konzentrieren kannst, dann achte einmal bewusst auf deine Ernährung. Mangelnde Nährstoffzuvor erschwert deinem Gehirn die Arbeit. Ich habe übrigens kürzlich das wahrscheinlich beste Lebensmittel der Welt entdeckt, das dich extrem fit hält – bald kann ich dir schon mehr dazu erzählen!

Tipps rund um deine geistige Fitness und das Gedächtnistraining dazu bekommst du immer wieder in meinen Newslettern. Für 2018 stehen auch viele tolle Live-Seminare an. Ich würde mich freuen, wenn du dabei bist. Wenn du von zuhause aus lernen willst, dann kannst du das mit meiner Einfach-Unvergesslich-Box – sie besteht aus einem Hörbuch und Workbook, hier erfährst du jedes meiner Geheimnisse und Trick für ein Supergedächtnis.